Kontos (Condos), Dimitris, griech. Maler und Pädagoge, *1931 Tripoli (Arkadien),

†19.5.1996 Thessaloniki. - 1950-1955 Stud. ABK Athen, u.a. bei Yannis Moralis; 1956-61 Stud. an der Scuola di Arti Ornamentali di via San Giacomo in Rom. K. lässt sich insbesondere von der informellen und abstrakten Malerei der span. Avantgarde (u.a. Antonio Saura, Luis Feito, Rafael Canogar) inspirieren. 1959 gründet er in Rom zus. mit den griech. Künstlern Yannis Gaitis, Vlassis Kaniaris, Nikos Kessanlis und Kostas Tsoklis die Gruppe "Sigma", die sich an der Arbeitsweise der span. Künstlergruppe "El Paso" orientiert. Im selben Jahr Gruppen-Ausst. u.a. in Neapel, Bologna und Florenz. 1961-63 Aufenthalt in Paris. 1964 Rückkehr nach Athen und Tätigkeit als Ass. am Lehrstuhl für Freihand-Zeichnen der Abt. Archit. des Ethniko Metsovio Polytechnio

(EMP). Ab 1968 erteilt K. auch Priv.-Unterricht. 1976 Stip. der Ford-Stiftung.

Mitgl.: Kammer der Bild. Künste (EETE); Verb. Bild. Künstler Nordgriechenlands

(SKETBE).

- Den Grundstein für seine Bildsprache bilden K.' Studienjahre in Rom. Der abstrakt-expressive Duktus schafft dynamische Komp. mit einer hohen

Plastizität, da die Farben oft direkt aus der Tube auf die Lw. aufgetragen werden. Nur wenige Farben kommen zum Einsatz: Schwarz, Weiß und erdige Töne dominieren. K. arbeitet vorwiegend in Öl, mitunter auch in Mischtechnik. Die Werkreihe Metamorfosis-Syneffa-Vrochi/Metamorphosen-Wolken-

Regen (1961) zeigt abstrakt-poetische Interpretationen von Wetterphänomenen, die K. lebenslang faszinieren. Die Pariser Jahre sind v.a. durch die Werk-Ser. Omogenesis (1963, alle Öl/Lw.) gekennzeichnet, für die K. mehrere kleinstformatige Lw. nebeneinander und überlappend anordnet, mehrfarbig gestaltet, um mit der Malerei einen dreidimensionalen Raum zu erschließen. Seine bedeutendste Schaffensperiode markieren die Grafes (auch: Spiral Scripts; alle Tinte/Papier oder Lw., 1965-71), spiralförmige, rhythmisch-gestische,

auf den freien Fluss der Linie konzentrierte Komp., die ihren Höhepunkt in drei Werken über Partizipation in der Kunst und deren Verbreitung finden: zunächst Ena paichnidi gia mikra kai megala paidia/Ein Spiel für kleine und große Kinder (1965), ein Würfelspiel, das den Betrachter auffordert, assoziativ seine eig. visuellen Lösungen zu finden. Es folgt Roman Pictural (1968), ein in

großer Aufl. veröff. Künstlerbuch, das den Aspekt des Unikats in der Kunst hinterfragt. Den Abschluss bildet das Werk Kalender (1971), ein Stapel mit 5.500 an den Betrachter gerichteten, graf. gestalteten losen Blättern, die die Dankbarkeit und Großzügigkeit des Künstlers gegenüber dem Publikum symbolisieren. 1975 präsentiert K. mit Ta Latreftika eine Ser. von Assemblagen

im Stile von Anbetungs-Stelen und übt Kritik an Ideologie und Fanatismus in Relig. und Politik. Obschon mit Schleifen und Perlenketten typisch geschmückt, enthalten die Arbeiten explizite Verweise auf soziale und politische Ereignisse während des Obristenregimes. Nach 1975 stellt K. seine künstlerische Arbeit vollständig ein und geht mit großem Zuspruch nur noch seiner Lehrtätigkeit nach. 1984 folgt eine Prof. für freie Zchng und Malerei an der neu gegründeten Fak. der Bild. Künste der Aristoteles Univ. in Thessaloniki. 1993 präsentiert K. noch einmal eine Ser. von Siebdrucken, in der er den Zyklus des Mondes behandelt (Selini).

(Auszug)


Erschienen in: Allgemeines Künstlerlexikon, Band 81, De Gruyter, Berlin, 15.12.2013



Iliopoulou, Eirini (Irini, Irène), griech. Malerin, *1950 Athen, lebt dort. Ausb.: 1969-75 Philologie-Stud. an der Univ. Athen, 1977-81 Malerei-Stud. an der ABK Athen bei Giorgos Mavroidis. Ausgezeichnet mit einem Stip. setzt I. das Malerei-Stud. 1981-85 bei Leonardo Cremonini an der EcBA Paris fort. Mitgl. der Künstlergruppe Epistrofi sti Zografikotita/Rückkehr zur Malerei (u.a. Stefanos Daskalis, Eduardos Sakagian, Giorgos Rorris, Maria Filopoulou).

- I. gestaltet gegenständliche, narrative Bilder, hauptsächlich in Öl, aber auch in

Acryl und in Mixed Media-Technik. Sie arbeitet thematisch seriell. 1987-88 lebt I. in dem stillgelegten Theater Vieux-Colombier in Paris und fertigt eine Werkreihe über das Theater-Interieur. Ihre ausschnitthaften Komp. der menschenleeren Theaterräume wirken wie Filmstills: den realistischen Ansatz ihrer Bilder kombiniert sie mit einer expressiven Farbigkeit, wodurch Realität und Fiktion stärker miteinander vermischt werden (Rehearsal hall, Öl/Lw., 1987; The Red hall or Turtle appointment, mixed media, 1987; Midday in the lobby, mixed media,

1987). 1988 wählt I. für eine weitere großformatige Ser. die geschlossene

Metrostation Port Maillot. 1990-93 bereist sie regelmäßig S-Frankreich, insbesondere die Reisfelder der Camargue, die Sumpflandschaften um Arles, auch die Weinbaugebiete um Bordeaux inspirieren sie zu neuen Arbeiten. Dabei fokussiert sie sich auf brachliegende und verwilderte Kulturlandschaften und verfremdet sie durch eine dunkle Farbgestaltung zu dramatischen Sinnbildern (Ricefields, 1991; Vineyards, 1992; Marshes, 1992, alle Öl/Lw.). In den folgenden Jahren beschäftigt sich I. mit der Darst. von Gärten, Obstbäumen und

Gemüsepflanzen, die sie wild wuchernd in satten Farben abbildet, um die

Vielschichtigkeit und Willkür der Natur wiederzugeben. Ab 2000 zeigt sich bei I. eine deutliche Hinwendung zur figürlichen Malerei. Ihre mit Leerstellen versehenen Café-Szenen im Werkzyklus von 2004-06 kennzeichnet eine starke Reduktion der Motive auf Form und Farbe sowie eine grelle, an den Expressionismus anknüpfende Farbgestaltung, die scheinbar eine Zäsur zum

bisherigen Werk markiert (First coffee of the day I, Öl/Holz, 2003; Sunday afternoon, Öl/Holz, 2003; Café III, Öl/Lw., 2006). Ab 2009 wendet sich I. formalästhetisch jedoch wieder ihrem früheren Stil zu und bedient sich einer allegorischen Bildsprache, um Themen wie Vergänglichkeit und Tod zu behandeln. Assoziatives und Fantastisches verknüpft sie zu narrativen, figurativen Bildwelten mit Sequenzen, die aus Erinnerungen und Träumen zu stammen scheinen.

(Auszug)


Erschienen in: Allgemeines Künstlerlexikon, Band 76, De Gruyter, Berlin, 15.11.2012