Rozbeh Asmani & Sebastian Fischer

Der Schaffensprozess-Passing criticism on redundancy, 2008

Der Schaffensprozess-Passing criticism on redundancy,

2008, HD, 16:12 min

Der Schaffensprozess in Leipzig 2, 2008

Tonband auf Metallrahmen


Der Schaffensprozess in Kopenhagen, 2008

Tonband auf Leinwand





Der Schaffensprozess in Leipzig, 2008

Tonband auf Leinwand

(english version below)


Das Video zeigt den Medientheoretiker Marc Ries, Asmani selbst und ein Tonbandgerät mit Mikrofon auf einem weißen Sockel, sowie eine grundierte Leinwand auf einer Staffelei. Das Tonbandgerät zeichnet die Stimme des Sprechers Ries auf und gibt sie zugleich für den Betrachter des Videos wieder. Das Tonband wird jedoch nicht auf einer zweiten Spule aufgewickelt, sondern läuft aus dem Gerät heraus und wird vom Künstler auf die Leinwand angebracht, wo das immer dichter werdende Geflecht der braunen Linien auf dem weißen Grund nach und nach ein streng geometrisches, abstraktes Bild ergibt. Der Sprecher hingegen versucht, das Geschehen theoretisch darzustellen.

Der Videofilm ist zugleich die Dokumentation des Produktionsprozesses in Echtzeit und dessen Endziel, also ein Artefakt, das wiederum die Produktion eines Artefakts zeigt. Der Betrachter erlebt die irritierende Situation, dass er die Entstehung eines Tafelbilds verfolgen kann und dasselbe zugleich im Ausstellungsraum wiederfindet. Scheinbar kehrt der Film in dieser modellhaften Produktionssituation das komplexe Verhältnis zwischen Künstler, Werk und Rezipient um, indem er die theoretische Reflexion, die traditionell am Ende steht, an den Anfang setzt und zum gestaltenden Subjekt macht, das durch Art und Inhalt seines Sprechens die Erscheinung des Bilds bestimmt.









The video features media theorist Marc Ries, Asmani himself, along with a tape recorder, a microphone on a white pedestal and a primed canvas. Even as Ries' voice is recorded, from the spectator's perspective it is already played back simultaneously.

The tape is not coiled up on a second reel though but is allowed to just run out before being attached to the canvas by the artist. The increasingly dense tangle of brown lines is creating a geometrically abstract image while the talker is trying to present the whole process on a theoretical level.

The video is a documentation not only of the production process in real time but as well of its final goal. Hence it's an artefact presenting the production of this very artefact. Spectators are confronted with the confusing situation of watching the formation of a panel painting while already being presented with its outcome, located in the exhibition space.

In this exemplary situation of production the film seems to inverse the complex relation between artist, artwork and recipient. For theoretical reflection, which usually sets in towards the end of this process of reception, is placed at its beginning. This way reflection is made the agent, which by manner of speaking and content of speech determines the picture's appearance.

Yet due to the magnetic recording technique the voice imprints itself invisibly on the material, which basically makes the visual artist account for the panel's composition. Therefore the film functions as an ironic commentary on the attempt to reverse roles.

The two-part projection within the exhibition space emphasises that the zone of the speaker, including the recording device on the one hand, and that of the painter in front of his easel on the other, are connected merely by a tape. This impression is being affirmed by the positioning of the images, whose mimicking of a museum-style way of presentation appears a bit artificial within a clearly improvised surrounding.

All this demonstrates one more time the consistency of a split between artist, artwork and theorist despite all efforts of their unification.

Doch da sich die Stimme aufgrund des magnetischen Aufzeichnungsverfahrens dem Material nur unsichtbar einprägt, und im Wesentlichen doch der Bildkünstler die Komposition des Tafelbilds verantwortet, ist der Film nur ironischer Kommentar dieses Versuchs. Die zweigeteilte Projektion im Ausstellungsraum unterstreicht, dass die Zone des Sprechers mit Mikrofon und Tonbandgerät letztlich mit der des Künstlers an der Leinwand auf der Staffelei nur durch das Tonband verbunden ist. Diese Vermutung legt auch die Hängung der Bilder nahe, die mit Lichtspot und Label eine museale zitiert, die aber in der tatsächlichen, deutlich improvisierten Raumsituation bemüht wirkt, und nur ein weiteres Mal vor Augen führt, wie Künstler, Kunstwerk und Theoretiker auseinanderklaffen, während sie doch zusammengeführt werden sollen.


Meine Entscheidung, neben Rozbeh Asmani und Sebastian Fischer, das Künstlerinnen-Duo VIOLETT PARK einzuladen, das stets vor Ort arbeitet, liegt darin begründet, dass ich auf das inszenatorische Moment der Ausstellung lenken wollte. Gemeinsam mit Asmani und Fischer sollte ich auf die Arbeit von Britta Ebermann und Gilta Jansen reagieren können, um eine inhaltlich begründete Neupräsentation der Videoinstallation zu entwickeln, die sich in das Gesamtbild der Ausstellung fügt.

In vorangegangenen Ausstellungen wurde der "Schaffensprozess" auf einem Monitor präsentiert.

Nachdem Ebermann und Jansen ihre Installation fertiggestellt hatten, beschlossen wir das Video als Projektion zu zeigen, um die Verwendung von Licht im Ausstellungsraum fortzusetzen, und somit eine einheitliche Raumsituation zu schaffen.

Eine Verbindung zwischen beiden Arbeiten kann aufgrund der In-Situ-Bedingungen daher auch nur assoziativ stattfinden: Mit „KATARAK“ eröffnet sich gewissermaßen eine begehbare, "sinnliche" Installation, die der „Theoriekritik“ von Asmani und Fischer das entsprechende Gegenmodell zu bieten scheint.